Eigentlich sollte es einfach nur ein entspannter Urlaub werden.

Wir waren damals mit mehreren Freunden in Moliets-et-Maa an der französischen Atlantikküste. Da wir schon einmal dort gewesen waren, kannten wir den Ort bereits ziemlich gut. Diesmal hatten wir sogar zwei kleine Bungalows – eher einfache Holzhütten, aber genau das machte irgendwie den Charme aus.

Tatsächlich war es nicht unser erster Urlaub dort.

Ein paar Jahre vorher waren wir schon einmal mit einer kleineren Gruppe dort gewesen – damals noch komplett unter Jungs. Schon damals hatten wir überraschend guten Kontakt zu einigen Franzosen aufgebaut und dadurch den Ort irgendwie lieben gelernt.

Eines Abends beschlossen wir sogar spontan, einfach mit Schlafsäcken am Strand zu schlafen.

Rückblickend wahrscheinlich nicht die bequemste Idee überhaupt, aber genau solche spontanen Aktionen machten diese Zeit irgendwie besonders. Einfach nachts am Meer liegen, das Rauschen der Wellen hören und komplett abschalten – das sind oft genau die Erinnerungen, die Jahre später noch bleiben.

Vielleicht zog es uns genau deshalb wieder dorthin zurück.

Wie vermutlich die meisten nach einer langen Anreise, ging es auch diesmal erstmal direkt ans Meer. Einfach ankommen, die salzige Luft genießen und langsam in den Urlaubsmodus schalten.

Unsere Tage bestanden meistens aus:

  • Strand
  • Surfen ausprobieren
  • günstige Baguettes holen
  • abends feiern oder gemütlich Cocktails trinken

Mit dem Surfen hatte ich persönlich allerdings nie wirklich Talent 😄
Es sah bei anderen immer deutlich einfacher aus.

Abends waren wir manchmal feiern, wobei dort überraschend wenig los war. Uns war das aber ziemlich egal. Hauptsache zusammen unterwegs sein und eine gute Zeit haben.

Durch andere Leute auf dem Platz ergab sich sogar spontan eine kleine Talentshow, bei der wir als Gruppe mitgemacht haben. Komplett improvisiert haben wir versucht, mit Flaschen die Melodie von Game of Thrones zu spielen. Rückblickend wahrscheinlich ziemlich schrecklich… aber lustig war es trotzdem.

Eigentlich also genau der Urlaub, den man sich wünscht.

Bis zu diesem einen Tag.

Die Arena

Während unseres Aufenthalts fand dort eine Art Fest statt.

Erst Jahre später fand ich heraus, dass dieses Event vermutlich „Top à la Vachette“ hieß – eine Mischung aus Spielen, Festivalstimmung und sehr fragwürdigen Entscheidungen 😄

In einer Arena wurden verschiedene Spiele und Aufgaben veranstaltet. Anfangs klang das alles ziemlich harmlos. Zuschauer saßen auf den Tribünen, Musik lief und die Stimmung war locker.

Der kleine Haken an der Sache:

In dieser Arena lief ein echter Stier herum.

Klar, die Hörner waren etwas gesichert und an den Spitzen befanden sich Schutzkappen, damit das Verletzungsrisiko geringer war – aber trotzdem blieb es eben ein verdammter Stier.

Wir saßen gemütlich weiter oben auf der Tribüne und schauten erstmal nur zu.

Dann kam plötzlich die Frage, ob jemand mitmachen möchte.

Und ausgerechnet ein Freund von mir – von dem ich das am allerwenigsten erwartet hätte – meldete sich.

Er fragte, ob wir nicht auch mitmachen wollen.

Ich hielt das zuerst für einen Witz.

War es leider nicht.

Und ehe ich richtig nachdenken konnte, stand ich plötzlich selbst unten an der Arena.

Der Moment, in dem man merkt: Das war vielleicht keine gute Idee

Voller Motivation kletterten wir erstmal einfach über den Zaun.

Problem:
Wir hatten vergessen, uns überhaupt anzumelden.

Also direkt wieder elegant zurück über den Zaun, Haftung unterschreiben und erneut hinein.

Spätestens da begann langsam der Puls zu steigen.

Dann wurde alles erklärt – leider hauptsächlich auf Französisch und nur teilweise auf Englisch. Viel verstanden habe ich ehrlich gesagt nicht mehr.

Und dann ging plötzlich das Tor auf.

Dieser Moment war komplett surreal.

Da kommt einfach ein riesiger Stier aus dem Tor gelaufen und du realisierst langsam:

„Was machen wir hier eigentlich?“

Ab diesem Moment wurde aus einem entspannten Urlaub plötzlich ein Überlebensspiel 😄

Das Ziel war theoretisch simpel:
Einen Ring von den Hörnern holen.

Praktisch sah das Ganze allerdings etwas anders aus.

Rennen, verstecken und hoffen

Es gab nur wenige Möglichkeiten, dem Stier auszuweichen:

  • hinter kleine Holzwände springen
  • oder am Zaun hochklettern

Und erstaunlicherweise funktionierte das sogar erstmal ganz gut.

Zumindest für eine gewisse Zeit.

Bis ein Freund von mir es nicht mehr rechtzeitig schaffte.

Der Stier erwischte ihn und rannte ihn um.

Für einen kurzen Moment blieb gefühlt alles stehen.

Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert:
ein paar Schrammen, blaue Flecken und vermutlich die Erkenntnis, dass man nicht alles ausprobieren muss.

Nach dieser Erfahrung war für ihn auch sofort Schluss – was vermutlich jeder verstehen kann, der einmal von einem Stier umgerannt wurde 😄

Alleine in der Arena

Ich blieb tatsächlich noch drin.

Allerdings mit einem ziemlich mulmigen Gefühl.

Da steht man plötzlich:

  • in einem fremden Land
  • mit einer Sprache, die man kaum versteht
  • und einem Stier, der definitiv schneller ist als man selbst

Es folgte noch ein weiteres Spiel.

In der Mitte der Arena stand nun ein kleiner Pool mit Bällen darin. Ziel war es, irgendwie einen Ball zu ergattern.

Spoiler:
Ich habe natürlich keinen bekommen.

Dafür war ich nass und ehrlich gesagt auch ein wenig erleichtert, dass es vorbei war.

Danach hieß es für mich nur noch:
zurück auf die Zuschauertribüne und den Rest lieber mit sicherem Abstand anschauen.

Würde ich es nochmal machen?

Rückblickend war es wahrscheinlich eine ziemlich dumme Idee.

Aber gleichzeitig auch eine dieser Erinnerungen, die man nie wieder vergisst.

Und genau solche Momente bleiben von Reisen oft am stärksten hängen:
die spontanen Entscheidungen, das Chaos und die Geschichten, über die man Jahre später noch lachen kann.

Würde ich heute nochmal freiwillig in eine Arena mit einem Stier steigen?

Sagen wir es mal so:

Ich würde diesmal wahrscheinlich etwas länger darüber nachdenken 😄

Fazit

Unser Frankreich-Urlaub bestand aus:

  • Meer
  • Surfen
  • günstigen Baguettes
  • langen Abenden mit Freunden
  • spontanen Aktionen am Strand
  • und einer der dümmsten Entscheidungen meines Lebens

Aber genau deshalb bleibt er bis heute unvergesslich.